Ubuntu Touch auf dem Nexus 5: Die Installation.

Vor 2 1/2 Jahren habe ich mir zum ersten mal Ubuntu Touch (damals noch auf meinem alten Nexus 4) angesehen. Und was ist der Grund, warum ich heute immer noch das mittlerweile in die Jahre gekommene Nexus 5 (5, nicht 5X!) nutze? - Genau! Basteltrieb...oder so.

Firefox OS wird ja meist zu genüge durch Jochen getestet ... und seit Jahren kämpft er dort immer wieder mit denselben Problemen, welche zu steigender Frustration führen. Doch wie sieht es denn bei der Nischenprodukt-Konkurrenz aus? Genau das habe ich mich auch gefragt, als ich vor wenigen Tagen vom Ubuntu OTA 10 auf Twitter las (Ja richtig gelesen...ich habe einen Twitter-Account...).

Ich beobachte Ubuntu Phone seit meinem letzten Test immer mal wieder - leider stellten sich damals immer noch einige Fehler ein, das App-Ökosystem war ist faktisch nicht vorhanden und dauerhafte Abstürze zierten die damalige Testversion. Nun ja, es war damals noch eine Testversion. Heute verkauft man diese Smartphones bereits via Meizu oder BQ.

Ich wollte ursprünglich nur einen Artikel zu Ubuntu Touch schreiben, eine Art Review... da mich die Installation auf dem Nexus 5 allerdings doch ein paar Stunden beschäftigten, habe ich mich dazu entschieden dieser einen eigenen Artikel zu widmen. Ich übernehme selbstverständlich keine Haftung für irgendwelche Schäden.

Welcome Screen nach der Ubuntu Touch Installation

Das Backup.

Der wahrscheinlich wichtigste Schritt kommt auch direkt zuerst: Das Datenbackup. Ich persönlich bevorzuge 2 Wege: ADB und TWRP. Das geht natürlich nur mit einem bereits gerooteten Gerät. Hat man sein Gerät noch nicht gerootet, so gibt es sicher andere Wege, ein Backup zu erstellen, welche ich hier nicht weiter ausführen werde. Das Rooten des Gerätes beschreibe ich an dieser Stelle auch nicht, da verweise ich woanders hin.

Backup mittels ADB.

Der meiner Meinung nach einfachste Weg. Man installiere ADB, bei einem Debian/Ubuntu System z.B. mittels

(sudo/su) apt-get install android-tools-adb

schließe das Smartphone an den Rechner an, aktiviere USB-Debugging über den Entwicklermodus und gebe in die Konsole

adb devices
adb backup -apk -shared -all

ein. Die darauf folgende Interaktion mit dem Smartphone sollte selbsterklärend sein. Fertig ist das Backup. Anzumerken wäre an dieser Stelle nur noch eine Sache: ich persönlich schalte mein Telefon während eines ADB-Backups generell in den Flugzeug-Modus - eingehende Nachrichten während des Backups sind sonst später möglicherweise nicht im Backup enthalten.

Backup mittels TWRP.

Etwas (wirklich nur etwas) "schwieriger" ist der Weg über TWRP: Man starte an dieser Stelle das Mobiltelefon neu und gehe direkt in den Recovery-Modus. Dort gibt es dann den Punkt "Backup". Man kann getrost alles auswählen und das Backup fahren.
Ist man damit fertig, startet man noch einmal das System und kann sich anschließend den Backup-Ordner via Dateimanager rüber ziehen (zu finden in TWRP/BACKUP/*). Voraussetzung dafür ist allerdings ein installiertes TWRP ...

Die Installation.

Als Installationsmöglichkeiten bieten sich normalerweise 3 Wege an: Via MultiRom-Manager, per Hand mithilfe von TWRP oder den "Canonical-way". Den Weg über TWRP habe ich bereits schon einmal vor ein paar Jahren angeschnitten, jedoch wird das Nexus 5 (Hammerhead) nicht offiziell supportet, daher gibt es auch kein Image im offiziellen Repository. Bleiben also noch MutliRom oder direkte Installation.
Unabhängig vom gewählten Installationsweg kann es bei den beschriebenen Installationswegen sowohl zu Datenverlust kommen (unbedingt vorher ein Backup machen), oder aber sogar das komplette Smartphone bricken (irreparabel beschädigen).

Installation via MultiRom-Manager.

Denkbar einfach: Man lädt sich die App "MultiRom Manager" aus dem Playstore seines Vertrauens auf sein gerootetes Nexus 5, startet die App, lässt sie die geforderten Dateien herunterladen und installieren und erhält auch direkt die Möglichkeit, Ubuntu Touch als 2. System zu installieren. Der Vorteil hierbei ist natürlich, dass das System zu dem bereits bestehenden parallel installiert wird und man beim Hochfahren des Gerätes auswählen kann welches Betriebssystem geladen werden soll. Der Nachteil dabei ist allerdings, dass für solchen Komfort ein 16GB Speicher knapp bemessen ist. Wer noch einmal eine detaillierte Anleitung hierzu benötigt, findet sie auf einem anderen Blog.
Leider funktioniert diese Methode zur Zeit nicht. Das Image lässt sich zwar installieren, bleibt aber beim Start dann beim Google-Logo hängen.

Installation im Canonical-Stil.

Ganz getreu der Anleitung habe ich mir hierfür sogar ein Ubuntu 16.04 installiert. Man sollte allerdings beachten, dass man der Anleitung nicht 1-zu-1 folgen kann - ich beschreibe allerdings einmal in Kurzform die notwendigen Schritte:

Falls das Smartphone verschlüsselt wurde, muss ein kompletter Factory-Reset stattfinden (auf Werkseinstellungen zurücksetzen). Anschließend USB-Debugging im Gerät aktivieren.
Dann vom Smartphone-Bildschirm lösen und an den PC heften:

sudo -s
add-apt-repository ppa:ubuntu-sdk-team/ppa
apt-get update
apt-get install ubuntu-device-flash
apt-get install android-tools-adb
adb devices #prüfen, ob das Device erkannt wurde.
adb reboot bootloader
fastboot devices #prüfen, ob Device erkannt wurde.

An dieser Stelle schlägt Canonical nun vor, folgendes anzuwenden:

ubuntu-device-flash --server="http://system-image.tasemnice.eu" touch --channel="ubuntu-touch/devel" --bootstrap

Das funktioniert aber ebenfalls nicht. Da allerdings auch mittels Multirom-Manager auf dasselbe Image zugegriffen wird, könnte das in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Installation von UBPorts.

Ich habe etliche Stunden gesucht, bis ich in einer kleinen Gruppe, in der hintersten Ecke eines ganz dunklen und relativ unbekanntem sozialen Netzwerks (Google+) einen Beitrag mit dem Stichwort UBPorts gefunden habe. Im Internet meiner 2. Wahl mit der Suchmaschine meiner 1. Wahl, bin ich dann auch direkt fündig geworden. Was ist zu tun?
Man befolgt einfach den Canonical-way, wendet aber statt der letzten nicht-funktionierenden Code-Zeile folgendes an:

sudo ubuntu-device-flash --server=http://system-image.ubports.com touch --channel=ubuntu-touch/stable --device=hammerhead --bootstrap

Und wartet...der erste anschließende Bootvorgang kann gut und gerne mal 10-15 Minuten dauern. Die anschließenden Bootvorgänge werden allerdings erträglich weniger Zeit in Anspruch nehmen.

5 Gedanken zu “Ubuntu Touch auf dem Nexus 5: Die Installation.

  1. Meine Überlegung damals zu alternativen OS (oder Apps, oder Programme) mit geringer "Marktdurchdringung": Es hat den Vorteil, dass man eher vor Hackerangriffen oder Schadsoftware geschützt ist, die eher die populären Systeme angreifen. Bei meinen ersten Schritten mit FirefoxOS stellte sich heraus, dass wohl mein Nexus S etwas zu alt ist und daher die Performance nicht so gut ist. Die wichtigsten Apps gab es, aber manchmal waren die für ein größeren Display ausgelegt, manchmal wurden Mails nicht im Hintergrund synchronisiert, manchmal bekam man Telegram-Nachrichten nicht angezeigt (pipend oder vibrierend), alle Versuche mit CalDAV und CardDAV eine Hin- und vor allem Rücksynchronisation hin zu bekommen schlugen fehl und viele Apps sind eher nicht produktiv nutzbar (primär Spiele). Die erste Version von FFOS, die auch mit Handy verkauft wurde, hatte keine Copy-Paste Funktion! Die musste man erst als Tastatur-Plugin nachinstallieren. Ich finde, dass sagt schon mal alles! Ein bedeutender Vorteil: Hat man auf seinem PC oder Android-Handy den Firefox-Browser, kann man über die Webseite "marketplace dot firefox dot com" viele dieser Apps auch ohne FFOS installieren (z.B. Telegram oder 2048). Aktuell scheinen aber auch da die Mozilla Fondation ein Riegel vorschieben zu wollen. Doofes Mozilla 🙁

  2. Man, das hat Mühe gekostet dahinter zu kommen was an der Zeile falsch ist:

    sudo ubuntu-device-flash –server=http://system-image.ubports.com touch –channel=ubuntu-touch/stable –device=hammerhead –bootstrap

    richtig:

    sudo ubuntu-device-flash --server=http://system-image.ubports.com touch --channel=ubuntu-touch/stable --device=hammerhead --bootstrap

  3. Wenn ich den "richtigen Befehl absetze im Bootloader, dann macht das Nexus 5 einen reboot und ich lande im Ubuntu Recovery!
    Aber keine Touch Installation vorhanden, denn wenn ich nen reboot aus dem Ubuntu Recovery mache lädt das Android ewig!

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